Geschäftsgeheimnisse – Definition & warum sie geschützt werden müssen

Autor: Franziska Kliemann
Veröffentlicht am 16. Juli 2019

Die Wahrung von Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnissen ist für viele Unternehmen äußerst wichtig – in einigen Branchen sogar elementar für das Bestehen am Markt. Besonders seit dem neuen Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGeG), das am 26. April 2019 in Kraft getreten ist, gilt erhöhte Vorsicht. Denn der Gesetzgeber bietet nur noch Rückhalt, sofern entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Betriebsgeheimnisse getroffen wurden. Doch auch fernab gesetzlicher Formalien gehört ein verantwortungsbewusster Umgang mit den eigenen Geschäftsgeheimnissen zu den Grundlagen einer soliden Unternehmensführung. Was das im Detail bedeutet und was genau überhaupt als Geschäftsgeheimnis zählt, hier in aller Kürze:

Inhalt:

  • Was gilt als Geschäftsgeheimnis? – Definition
  • Typische Beispiele für Geschäftsgeheimnisse
  • Was macht sie so schützenswert?
  • Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll

Was gilt als Geschäftsgeheimnis? – Definition

Grob gefasst ist ein Geschäftsgeheimnis eine nicht offenkundige Information, die nur einem ausgewählten und verschwiegenen Personenkreis zur Verfügung steht und deren weitere Geheimhaltung auf einem berechtigten wirtschaftlichen Interesse des „Inhabers“ beruht. Das kann geistiges Eigentum im weitgefassten Sinne sein – beispielsweise innovative Produkt-Konzepte, Patente, Unternehmensstrategien, Rezepturen oder Konstruktionspläne. Ebenso zählen dazu häufig Kundendaten und vieles mehr, was nur Ihrem Team bekannt ist und worüber sie üblicherweise die Datenhoheit besitzen. Ist etwas wichtig für das Geschäft eines Unternehmens und möchte das Unternehmen nicht, dass Mitbewerber und andere Außenstehende an dieses Wissen gelangen, handelt es sich dabei im Grunde bereits um ein Betriebsgeheimnis. Aber natürlich lässt eine solche Beschreibung einigen Spielraum.

Deswegen wurde im Zuge des neuen Geschäftsgeheimnisgesetzes der Begriff im juristischen Kontext noch einmal präzise definiert. Dabei ist eine wichtige Voraussetzung hinzugekommen, damit ein Geschäftsgeheimnis auch rechtlich als ein solches gilt:

Die betreffende Information muss „Gegenstand von den Umständen nach angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen durch ihren rechtmäßigen Inhaber“ sein. 

Es reicht also nicht, ein Geheimnis als solches festzulegen. Vielmehr müssen auch entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Eine ausführliche rechtliche Definition, relevante Kriterien und konkrete Handlungsempfehlungen finden Sie in unserem zugehörigen Artikel zum neuen Gesetz.

Typische Beispiele für Geschäftsgeheimnisse

Eines der wohl bekanntesten Beispiele für ein Geschäftsgeheimnis ist die sagenumwobene Rezeptur von Coca-Cola, die der Legende nach bestens geschützt in einem Tresor in Atlanta liegt – seit 2013 eingebettet ins Coca-Cola-Museum. Maximal zwei Menschen gleichzeitig sollen hier Zugang haben und die Details der Rezeptur kennen, damit der heilige Gral des Weltkonzerns nicht in die falschen Hände gelangt. Ähnlich geheim ist auch der Google-Algorithmus, der SEOs rund um den Globus zu endlosen Mutmaßungen verleitet. Sein Bekanntwerden könnte dem Unternehmen nachhaltig schaden – unter anderem, weil er damit leichter manipulierbar wäre.

Ein anderes eher außergewöhnliches Beispiel ist das Adressbuch von Claude Grunitzky. Die Harvard Business School hat eine Case-Study nach ihm ausgerichtet, weil das Netzwerkgenie Kontakte knüpft wie kein anderer und dadurch einen guten Draht hat zu zahlreichen einflussreichen Personen auf der ganzen Welt. Sogar bis zu stark abgeschirmten Menschen wie Bill Gates ist er bereits vorgestoßen. Wer Zugriff auf seine Kontaktliste bekommt, kann damit zwar nicht ohne Weiteres sein Geschäftsmodell kopieren – aber doch einen relevanten Vorteil daraus ziehen oder zumindest Schaden anrichten.
Neben Kontakt- und Kundendaten sowie Rezepturen gibt es noch zahlreiche weitere Beispiele für Informationen, die als Geschäftsgeheimnis behandelt werden sollten. Darunter vor allem:

  • spezialisiertes Know-how
  • eigene Verfahren in der Herstellung und Konstruktion
  • Strategien, Konzepte & Kalkulationen
  • Nicht-öffentliche Finanzdaten des Unternehmens

Was macht sie so schützenswert?

Stellen Sie sich vor, Ihr unmittelbarer Wettbewerber hat Zugriff auf Ihre Kundenliste. Das würde es ihm zumindest leichter machen, Ihnen ganz bewusst einige dieser Kunden mit Lockvogel-Angeboten abzuwerben. Oder das wohlbehütete Ingenieurswissen eines Hidden Champions gelangt in fremde Hände, wodurch ein internationaler Konkurrent plötzlich die gleiche Qualität zu günstigeren Preisen anbieten kann. Das wäre nicht nur für das Unternehmen selbst eine fatale Bedrohung, sondern auch ein weiterer Rückschlag für die zunehmend in Bedrängnis geratene deutsche Ingenieurskunst auf dem Weltmarkt.   
Sobald spezielles Wissen auch von anderen angewendet werden kann, ist es schützenswert. Denn in der Regel verschafft es seinem Inhaber einen Wettbewerbsvorteil und dadurch eine entsprechende Positionierung am Markt, die durch „Nachahmer“ gefährdet würde. Das Gleiche gilt für empfindliche Informationen rund um die Strategie und für interne Kennzahlen des Unternehmens, die beispielsweise für Aktienspekulationen missbraucht werden können. Darüber hinaus sollten jegliche sensiblen Daten rund um Kunden und Geschäftspartner geschützt und als Geschäftsgeheimnis behandelt werden – auch fernab der DSGVO. Denn selbst wenn ein Fremdzugriff möglicherweise nicht dem Unternehmen selbst schadet, kann er trotz dessen eine Gefährdung für die betreffenden Personen und Instanzen bedeuten. Daher ist es ausgesprochen wichtig, sich über den eigenen Informationsschatz stets bewusst zu sein und entsprechend zu agieren.

Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll?

Um Geschäftsgeheimnisse angemessen zu schützen, braucht es zuallererst das entsprechende Bewusstsein für den Wert der betreffenden Informationen. Anschließend können alle mit dem jeweiligen Geschäftsgeheimnis in Berührung kommenden Personen sensibilisiert und – sofern sinnvoll – im weiteren Umgang entsprechend geschult werden. Darüber hinaus empfehlen sich je nach Situation geeignete Maßnahmen in drei verschiedenen Bereichen:

  1. Vertragliche Maßnahmen (z. B. NDAs mit Geschäftspartnern)
  2. Organisatorische Maßnahmen (z. B. beschränkter Zugang)
  3. Technische Maßnahmen (z. B. Passwortschutz und Nutzung verschlüsselter Kommunikationsdienste)


Im erwähnten Beitrag zum neuen Geschäftsgeheimnisgesetz finden Sie weiterführende Informationen zu diesen drei Bereichen. So können Sie in Ihrem Unternehmen den Status quo analysieren und zeitnah handeln, um vertrauliche Informationen künftig noch besser zu schützen.