Warum Schulen eine Alternative zu WhatsApp brauchen

Autor: Franziska Kliemann
Veröffentlicht am 26. September 2019

Die Nutzung von WhatsApp ist aus Datenschutzgründen im beruflichen Umfeld unzulässig. Eine Reihe von Bundesländern hat daher die Kommunikation über den US-Messenger mit Eltern und Schülern untersagt. So weit, so konsequent. Aber warum wird den Lehrkräften keine sichere Alternative angeboten?

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Die Lernfähigkeit und das ständige Streben nach Verbesserung sind zwei der hervorstechendsten Eigenschaften des Menschen. Waren Sicherheitsgurte in den 50er Jahren noch aufpreispflichtige Extras beim Autokauf, so würde ein derart unsicheres Fahrzeug heute gar nicht mehr zugelassen.

Weniger regelungsfreudig sind deutsche Verwaltungen dagegen beim Thema digitale Kommunikation. Das wird an einem aktuellen Beispiel besonders deutlich: der Nutzung von WhatsApp durch Lehrer für den Dialog mit Eltern und Schülern sowie untereinander. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zeigt einen Wildwuchs von Richtlinien, kaum zwei Bundesländer gleichen sich.

Keine klaren Regeln zu WhatsApp in den Ländern

In Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt es ein klares Verbot, den amerikanischen Messenger für schulische Belange einzusetzen. In Hessen ebenfalls, aber nur hinsichtlich bestimmter Daten. In Hamburg ist die Lehrer-Schüler Kommunikation via WhatsApp verboten, die zwischen Eltern und Lehrern aber nicht. Bayern und Nordrhein-Westfalen haben überhaupt keine Regelungen erlassen, verweisen aber darauf, dass sich die Nutzung in einer Grauzone bewege. Thüringen zieht sich darauf zurück, dass personenbezogene Daten nur verschlüsselt übermittelt werden dürfen. Auch die übrigen Länder äußern sich ähnlich schwammig.

Warum WhatsApp den Datenschutz gefährdet

Dabei sind Verstöße der Facebook-Tochter WhatsApp gegen den europäischen Datenschutz bekannt, genauso wie die damit verbundenen Gefahren. Das unkontrollierte Sammeln und Auswerten von Daten verstößt gegen geltendes Recht, verletzt Persönlichkeitsrechte der Bürger und stellt ein großes gesamtgesellschaftliches Risiko dar.

Bei der Nutzung wird aber nicht nur das eigene Profil gescannt und ausgewertet. Auch die Daten aller Lehrer im Kollegium, Mitarbeiter der Schule, Eltern und Schüler sowie Freunde und Bekannte – gespeichert in den elektronischen Adressbüchern – sind begehrt. Mit Zustimmung zur Nutzung und der damit verbundenen "Freigabe" zum Abgleich des Adressbuches, ist es WhatsApp möglich, somit auch die Daten der Kontakte – unabhängig davon, ob sie selbst den Messenger nutzen oder nicht – zu sammeln und auszuwerten. Auch in diesem Fall verstößt es gegen geltendes Recht. Und die Kontakte? Sie sind sich über diese Tatsache meist nicht bewusst.

Der „Cambridge-Analytica-Skandal“ zum Beispiel zeigt, wie real die Gefahr eines Datenmissbrauchs ist. Hierbei wurden Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern analysiert und die so gewonnen Persönlichkeitsprofile gezielt für den Präsidentschaftswahlkampf in den USA genutzt. Ohne Wissen und Einverständnis der jeweiligen Nutzer. Die marktbeherrschende Stellung von WhatsApp führt zu Kontrollverlusten beim Datenschutz. Dennoch gewinnt der Messenger fast täglich neue Nutzer. Der Grund: Die Sorge, von der Kommunikation mit Freunden, Vereinen, Kollegen und Familie abgeschnitten zu sein, wenn man die App nicht verwendet.

Was jetzt getan werden muss

Bei einem Fahrzeug würde der TÜV an dieser Stelle einschreiten, in der Messengerfrage gibt es aber keine wirkliche Reaktion – weder von der Politik noch von den Verwaltungen. Hier stellt sich die Frage: Warum? Denn es gibt deutsche Messenger, die datenschutzkonform und sicher sind. Und für Privatleute kostenlos und dennoch werbefrei.

Die Verantwortung für die Nutzung von sicheren Messengern an den Einzelnen abzugeben, ist keine Lösung. Bürger und Eltern brauchen Rückendeckung und Unterstützung. Staat, Politik und Verwaltung, Meinungsführern und Multiplikatoren kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum die zuständigen Behörden ihre Mitarbeiter mit dem Problem alleine lassen, anstatt Klartext zu sprechen. Der sichere Umgang mit Daten, die Sensibilisierung für den Schutz von Persönlichkeitsrechten und Privatsphäre muss gelebt werden. Hierzu zählt auch der Gebrauch eines sicheren Messengers, der die Persönlichkeitsrechte der User schützt. Politik und Verwaltung haben eine Vorbildfunktion und müssen diese ausfüllen. Schule digital sieht anders aus!